Dublin, meine Studienstadt

 

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Prüfungszeit - stressige Zeit

Die Hälfte meiner Prüfungen des ersten Semesters (2 von 4) habe ich nun hinter mir. Beide sind akzeptabel gelaufen, was heißt, dass ich auf jeden Fall bestanden habe (das ist wichtig, schließlich will ich ja mein ERASMUS-Stipendium behalten). "Time Series" wird wohl so gut sein, dass es auf jeden Fall für mein deutsches Diplom angerechnet wird (das sollte doch -lt. meinem Gefühl- eine 1.0 werden). Bei PDE sollte zumindest die irische 1,x sicher sein - wie das dann umgerechnet wird, darüber werde ich dann ab Juni mit meinen Professoren diskutieren dürfen. Endgültige Ergebisse gibt es am 17. Februar.

Und hier offenbaren sich mal wieder die irisch-deutschen Uni-Alltags Unterschiede. Während in Deutschland der Ergebnis-Aushang meist eher vage beschrieben wird ("Naja, schauen Sie halt mal irgendwann im Institut vorbei - je nachdem, wie ich Zeit habe, werde ich die Klausur korrigieren." sagt so der gemeine Übungsleiter), ist das in Irland genau reglementiert, was relativ ungewöhnlich für die sonst eher laxe irische Haltung ist. Dafür dauert dann die Klausurkorrektur in Deutschland bei einer Teilnehmerzahl bei meinen Klausuren von (geschätzen) 30-40 Studenten max. zwei Wochen (sofern man am Matheinstitut ist - bei den Wiwis kann das schon mal unbegrenzt nach oben gehen...). In Irland werden dafür 4 Wochen taxiert.

Ein weiterer großer Unterschied zu deutschen Uni-Klausuren ist, dass hier wirklich alles anonym ablaufen muss. So darf man keinensfalls seinen Namen vorne auf das Examenspapier schreiben, sondern muss ihn versiegeln, dass auch ja keine Vorteilsnahme entstehen kann. Ich würde sagen: Armer Korrektor, denn das einzige, das an einer Klausur so richtig amüsant ist, sind ausgefallene Namen der Prüflinge, da der Inhalt meistens sowieso relativ ähnlich ist (oder -besser formuliert- sein sollte) - zumindest ist das meine Erfahrung vom Klausurkorrigieren. Naja, aber das ist ja net mein Problem. Auch die Ansage vor der Prüfung sich bewusst zu machen, wo die Notausgänge sind, würde in Deutschland eher nicht ernst genommen werden - hier blicken sich wirklich noch mal alle um und vergewissern sich, dass sie das auch wissen - als ob man bei einem Examen sonst nichts zu denken hätte. Ein weiterer großer Unterschied zu Deutschland (neben der kurzen Prüfungsphase von zwei Wochen, im Gegensatz zu zwei bis drei Monaten in Deutschland) ist, dass man hier nicht nur in einem Hörsaal seine Prüfungen schreibt, sondern meist in der Sporthalle, dem HELIX (dem Festsaal der Uni) oder auch -und das durfte ich am letzten Donnerstag- im Uni eigenen Pub. Da dadurch viele Klausuren in einem Raum geschrieben werden, bin ich doch etwas erstaunt, wie gut das hier organisiert ist, sonst ist man von den Iren eher weniger Organisationstalent gewohnt... unter dem Motto: "wird schon irgendwie"....

Damit die Studenten möglichst gut abschneiden, gibt es überall Flyer, wie man sich am besten auf ein Examen vorbereitet... Vielleicht war es auch eine nett gemeinte Geste der Hausverwaltung meines Wohnheimes am Samstag Morgen (vor meiner "Time Series"-Prüfung) einfach mal das warme Wasser komplett abzustellen, dass die Prüflinge auch unter der Dusche richtig wach werden. Danke! Allerdings dauerte diese Warm-Wasser-Abstinenz dann (glücklicherweise) nur bis fünf Uhr am Nachmittag... Geschadet hat es mir nicht - immerhin war ich wirklich wach dann.

Aber neben all dem Prüfungszeug gab es ja am Samstag Nachmittag noch das Orgelkonzert, das ich ja schon im letzten Eintrag erwähnt hatte. Ich hatte die Ehre, als letzter mich zu verkünsteln, und damit den hoffentlich krönenden Abschluss zu bilden, was mir dann auch gelungen ist. Aber nicht unbedingt, weil ich das schwerste Stück gespielt hatte (da gab es zumindest einen, der vom Können her deutlich besser war - schließlich hat der auch Musik studiert), sondern weil ich mich von den anderen absolut abheben konnte, da ich zum einen mich nicht wie alle anderen mit barocken Werken auseinandergesetzt hatte (Bach und Händel gab es rauf und runter), sondern meinen Lieblingskomponisten der Romatik Dubois ausgewählt hatte, und zum anderen konnte ich mit der spektakulären Dubois-Toccata überzeugen, während die anderen sich mehr oder minder erfolgreich durch irgendwelche Praeludien und Fugen hangelten. Sofern erfolgreich war das auch schön anzuhören, aber für die breite Masse dann doch eher zu anstrengend. Da hatte ich es natürlich mit meinem frischen und spritzigen Stück einfacher Punkte beim Publikum sammeln, das meinen Auftritt dann auch dementsprechend quittierte.

Nun geht es wieder ans Lernen, schließlich gibt es diese Woche noch zwei Prüfungen - "Life Contingencies" und "Risk Theory".

Viele Grüße von der -im Vergleich zu Deutschland- warmen Insel

24.1.11 13:19
 



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