Dublin, meine Studienstadt

 

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den Iren enteilt - enteilend - und schon viel zu bald weg

Nach einer Woche Pause im Blog-Schreiben bin ich wieder zurück. Schön, dass zumindest eine Person meinen letzten Bericht vermisst hat. Nun, was ist in den zwei vergangenen Wochen passiert? Hm, meine irischen Vorlesungsmithörer haben mich wohl nun völlig für verrückt erklärt. Zum einen hängt das mit meinem Vorlesungsprogramm für dieses Semester zusammen (siehe letzten Eintrag), schließlich nimmt der "normale" Ire max. zwei dieser Kurse, die ich gewählt habe, und füllt dann den Rest seiner Zeit mit irgendwelchen Wiwi-Laber-Kursen. Zum anderen hängt das schwer mit meinen Ergebnissen des letzten Semesters zusammen.

Denn: an meiner irischen Uni gibt es als Notensystem das Prozentsystem. Alles richtig in einer Klausur wären dann logischerweise 100%. Der korrespondierende Einserbereich beginnt hier ab 70%. Dazu darf man noch hinterherschicken, dass bei Mathe-Klausuren seltenst 80% oder mehr vergeben werden. Meine Klausur-Ergebnis-Kombination lautet 75 - 83 - 95. Was zumindest im 95er Fall zu einer sicheren 1.0 in KA führen wird. Schön, dass das gerade die Statistik-Vorlesung war! Bei den anderen beiden muss ich mal schauen, wie meine Profs in Deutschland so gelaunt sind, wenn ich zur Anrechnung in ihren Büros auftauche.

Den Iren so enteilt, hat sich nun eine nette Symbiose aufgetan. Während der "Probability & Finance"-Vorlesung sagen sie mir, was für Worte an der Tafel stehen, und ich erkläre ihnen die Mathematik dazwischen, da unser Dozent (ein Franzose) eine nicht gerade von Schönheit gesegnete Handschrift hat. Hinzu kommt ein doch sehr starker Akzent, sodass ich doch manchmal überzeugt bin, dass er französisch spricht. In Wirklichkeit ist es dann doch Englisch, allerdings um ein paar französische Wörter bereichert. Allerdings ist er inhaltlich längst nicht so unterhaltsam, wie mein Dynamical Systems-Prof, der sämtliche Beispiele seiner Vorlesung mit Assoziationen zu englischen Fußball-Clubs untermalt. Dies ist besonders ausgeprägt, wenn Arsenal gewinnt, und Chelsea verlieren sollte.

Darüberhinaus bin ich sportlich hier in Irland zur Zeit auch sehr gut bedient. Nachdem ich am Mittwoch noch mit verschiedenen Bayern-Fans den Sieg der deutschen Mannschaft in der Championsleague gefeiert hatte, war ich am Samstag der einzige der nach dem Spitzenspiel der Bundesliga mit hervorragender Laune nach Hause ging. Gründe dafür gibt es viele .... angefangen in der 1., geendet in der letzten Minute des Spiels. Aber auch im aktiven Sportgeschehen gibt es Abwechslung. So hat sich in dem TT-Club der Uni nun ein Slowake aufgetan. Der ist zwar nicht mal annährend so gut wie die Polin vom letzten Semester und verliert auch klar gegen mich - aber er versteht zumindest, dass TT-Training nicht nur aus Matchen besteht.

Auch musikalisch geht es mir weiterhin gut in Irland. Heute hatte ich wieder die Ehre einen Gottesdienst mitzugestalten und wurde erneut mit Lob überhäuft. Kommentar des Priesters: "Wenn wir das Geld auftun könnten, würden wir dich sofort als Organist hier dauerhaft anstellen.", schließlich ist klar, dass ich nicht mehr allzu lange in Dublin Orgel spielen kann, aber den nächsten Auftag habe ich schon bekommen. Irgendwie sind die es in der Gemeinde, in der ich spiele, nicht gewohnt, dass ein Organist auch einmal während eines Gemeindeliedes die Trompeten und Posaunen benutzt.... naja, aber wenn eine englisch, geistliche Version der Europahymne gesungen wird, was will man da machen??? beziehungsweise eher "ich" als "man"... bei sowas zucken förmlich automatisch meine Finger, um "die großen Zungenpfeifen" dazuzuschalten.

Dank des schönen Wetters heute -  ok... schränken wir es auf "für Irland schönes Wetter" ein - gab es für mich nach dem Gottesdienst dann nochmals einen Ausflug nach Howth, um zu testen, was mit den Herrschaften, die mich in den kommenden Monaten besuchen werden, an Naturbegegnungen möglich ist. Von dem Ausflug gibt es auch wieder ein paar Bilder in der Galerie.

Viele Grüße aus dem "liquid-sunshine" verwöhnten Dublin

27.2.11 23:07


Luxusprobleme am Beginn des zweiten Austauschsemesters

Während ich noch zu Anfang des ersten Semesters geklagt hatte, dass es hier in Dublin zu wenige passende Vorlesungen gibt, die vom Niveau her auch in Karlsruhe angerechnet werden könnten, ist die Situation nun völlig eine andere. Ich kann geradezu aus dem Vollen schöpfen. Statt aus zwei geeigneten Mathevorlesungen (im ersten Semester) kann ich nun aus deren sechs (!) auswählen. Ein Traum! Obwohl es (zumindest sieht es für mich im Moment so aus) keine Auswahl geben wird, denn ich habe den Entschluss gefasst, alle davon zu besuchen (allerdings werde ich wohl nur in fünf von denen auch eine Prüfung schreiben....).

So gibt es als Pendant zur "Finanzmathematik in stetiger Zeit" aus KA hier "Financial Economics II" und "Probability & Finance II". Meinen Analysis-Block werde ich voraussichtlich mit "Modeling with PDE's" und "Dynamical Systems" (einer Vorlesung über die qualitative Theorie von Lösungen von Differentialgleichungen - für die nicht-Mathematiker: ich habe eine Gleichung einer Funktion und deren Ableitungen drin, kann die aber nicht explizit mit einer Formel lösen, aber trotzdem ein wenig über das Verhalten der Lösung aussagen) ausschmücken. Als Bonbon gibt es dann noch "MonteCarlo-Simulationen in der Finanzwelt" und "Stochastic Finance". Da ich ja kaum zu einer guten Mathevorlesung "nein" sagen kann, werde ich wohl alle besuchen. Aber wer weis, vielleicht schmeiße ich ja noch eine raus, wenn es mir nach der zweiten Woche zu stressig wird. Danach muss man sich nämlich -dank des irischen Systems- endgültig festgelegt haben.

Jeder Mathematik-Student weis wohl, dass sechs Mathe-Vorlesungen im Semester ambitioniert sind - aber ich bin ja net nur zum Vergnügen hier und schließlich wächst ein Mensch mit seinen Aufgaben :D.

Aber nicht nur in mathematischer Hinsicht läuft es zur Zeit blendend. Während meines Heimaturlaubs über Weihnachten konnte mein Durst nach Gesellschaftsspielen nicht für die nächsten vier Monate gestillt werden. Aber wie ich nun weis - und einige der Blogleser auch - kann auch hier das Internet Abhilfe schaffen. Früher undenkbar - aber in der spielerischen Not veranstaltet man nun halt einen Gesellschaftsspieleabend online. Mit Unterstützung von Skype und einer wunderbaren Internetseite eine lohnende Alternative zum "real-life-Spieleabend", doch mit Sicherheit nur eine Übergangslösung bis ich dann ab Juni auch in der Heimat für Spielenächte (trifft es wohl eher als -abend) zur Verfügung stehe.

Auch gesellschaftlich bin ich mittlerweile voll in Dublin angekommen und würde mich nun doch schon als halber Ire bezeichnen. So werde ich nun auch schon in meinem Chor vermisst, nachdem ich zwei Wochen net da war. Auf der anderen Seite lagen dann bei einem Rugby-Spiel zwischen Irland und Frankreich (für das sog. Six-Nations-Turnier, der inoffiziellen Rugby-Europameisterschaft) meine Sympatien klar auf der irischen Seite - auch wenn sie heute unglücklich verloren haben (aber vielleicht hat mich die Stimmung im Pub, das natürlich vollgestopft mit Iren war, auch ein wenig mitgerissen).... ein Glück, dass die Iren im Fußball nicht in die deutsche Gruppe gelost worden sind.

Viele Grüße aus dem Land, das noch viereinhalb Wochen auf den St.Patricks Day warten muss, denn allein daran orientiert sich nun die irische Zeitrechnung

14.2.11 01:15


zurück von der Westküste - wieder rein ins Studieren

Mit Dublins Bussen werde ich wohl keine Freundschaft mehr schließen. Vor Wochen hatte ich noch das überregionale Busnetz gelobt, aber bereits die wachsweichen Taktzeiten in Dublin selbst beklagt, nun folgendes: ich hatte ja vergangene Woche meinen ersten Godi hier in Dublin zu spielen. Dieser sollte um 11 Uhr beginnen - also hatte ich mich frühzeitig zur Bushaltestelle begeben, um ja reichtzeitig zu kommen. Da man ungefähr von einer Fahrzeit um die 30 min ausgehen muss, war ich schon um 9.45 Uhr bereit in einen Bus einzusteigen. Das Problem nur: es kam keiner.... ich wartete ca. 35 min bis dann der erste Bus endlich kam. Damit nicht genug... Da ich in der Innenstadt noch umsteigen durfte, hatte ich die Ehre erneut 15 min zu warten. Wer nun die Zeiten addiert, erkennt, dass das zu einem Problem führt... schließlich sollte ich nicht um 11 Uhr da sein, sondern -um die Nerven der Pastorin und auch von mir zu beruhigen- doch ein wenig vorher. Ich kann von Glück sprechen, dass ich 2 vor 11 an der Kirche angekannt kam. Der Lektor und die Pastorin waren bereits dabei, die Lieder des Sonntages acappella zu üben :D. Trotz etwas erhötem Adrenalinspiegel (schließlich bin ich nicht von der Bushaltestelle zur Kirche geschlendert) ging alles gut und für nächste Woche wird mir ein Taxi spendiert, sodass ich pünktlich da sein kann (was wohl unterstreicht, dass die Herrschaften mit mir zufrieden waren).

Am Montag ging es dann auf zur Westküste - aber erneut mit Hindernissen, die ich dem Busverkehr zu verdanken hatte. Da die Busgesellschaft Online-Tickets zu verbilligten Preisen anbietet, hatte sich meine Reisegruppe dafür entschieden, natürlich diese zu nehmen. Allerdings kann man da schnell man Fehler machen..... z.B. wenn man davon ausgeht, dass man mit einem Ticket Dublin-Galway an der Haltestelle "Dublin Airport" zusteigen kann. Doch leider gehört für diese Busgesellschaft, der Airport einer Stadt nicht mehr zu eigentlichen Stadt. Was eigentlich immer noch kein Problem sein sollte, schließlich war der Halt in der Stadtmitte vor dem am Airport... Naja - egal, der Busfahrer wollte das net einsehen, schob es auf die Technik, dass er zweien von fünfen (die anderen drei hatten glücklicherweise als Abfahrt den Airport gewählt) kein Ticket rauslassen konnte. Also bin ich mit meinem spanischen Kollegen quer durch die Stadt gefahren, um einen der nächsten Busse zu erwischen. Dank Ortskenntnis konnten wir die offizelle Fahrzeit (ohne Umsteigen vom Airport 90 min) auf etwas unter eine Stunde (durch zweimaliges Umsteigen - wochentags kann man das schon mal wagen) drücken und hatten dann nur zwei Stunden Verspätung in Galway (statt vier, wenn wir die offizielle Route genommen hätten).

In Galway angekommen, konnten wir dann alle unseren Urlaub genießen. Am Montag Abend besichtigten wir -im Regen, was erwartet man sonst von der Westküste- das kleine Städtchen Galway. Tags drauf ging es dann per Bus und Schiff zu den Aran Islands, einem wirklich wunderschönen Fleckchen Erde. Obwohl uns die Wettervorhersage wenig Mut gemacht hatte, klarte es gegen Mittag auf und wir konnten die Inselpracht sogar unter blauem Himmel genießen. Zwar hatte es immer noch relativ stark gewindet, aber man kann ja nicht alles haben. Den Führer, den wir auf der Insel hatten, war super nett. Er ließ sich selbst nicht durch zwei Inder aus der Ruhe bringen, die ständig darum baten, mit dem Auto ein paar Meter zurück zu fahren, um so bedeutsame Gebäude wie die Primary School der Insel fotografieren zu können. Am Ende gab er uns fünf ERASMUS-Studenten noch den Tipp, wie wir das schönste Fleckchen der Insel erwandern können... und ich kann sagen, das hat sich absolut gelohnt! Klippen habe ich ja bereits schon viele hier in Irland gesehen, aber nirgendwo so imposante (zwar nicht von der Höhe her, aber mit der ganzen Landschaft herum, die überhaupt nicht touristisch ausgelegt war, da man ne dreiviertel Stunde zu Fuß laufen musste, da dorthin kein befahrbarer Weg mehr führt). Gepaart mit dem sehr starken Wellengang des Atlantiks (für irgendwas muss der Wind ja gut sein) war das ein absolut unglaublicher Anblick und ein wunderschön gelungener Tag für uns.

Tag zwei bestand dann aus einer Fahrt durch die Connamara Mountains. Landschaftlich nicht ganz so spektakulär und vom Wetter auch nicht ganz so gesegnet, wie am Vortag, würde ich jetzt vielleicht in höchsten Tönen davon schwärmen, wenn wir am Tag davor nicht auf den Aran Islands gewesen wären. Auch der Busfahrer, den wir an dem Tag hatten, war nicht ganz so dolle drauf, was der Tour für mich nur das Prädikat "ganz nett" gab. Zu "Herausragend" fehlte dann doch noch etwas.

Wer an der Westküste als Tourist ist, der wird früher oder später auch zu den "Cliffs of Moher" gelangen. Schließlich sind diese Klippen in die Endausscheidung der sieben "neuen Weltwunder" gewählt worden. Beeindruckend war allerdings nur deren Höhe.... sonst war es eher ein mauer Tagesausflug. Das lag zum einen am sehr schlechten Wetter. Bei Windgeschwindigkeiten von ca. 110 km/h (lt. Busfahrer) und stürmischem Regen kann man einfach nichts in der freien Natur genießen. Weiterer Minuspunkt war sicherlich, dass aufgrund der Höhe der Klippen, es nicht erlaubt war, bis ganz an den Rand zu gehen, da ein Wall von ca. 5 Metern Breite zu den Klippen hin es verhinderte . Bei den Aran Islands Klippen, die ungefähr zwei Drittel der Höhe haben, hatte das keinen interessiert und damit hat es auch keine Absperrungen gegeben. Viel imposanter war dann die Straße an den Klippen entlang. Doch seht selbst in meinem Fotoalbum mit vielen neues Fotos und auch ein paar Videos.

Viele Grüße jetzt wieder von der Ostküste Irlands

5.2.11 16:50


dieses Mal nur ganz kurz....

Eigentlich sollte der Eintrag die gewohnte Länge haben, doch irgendwie haben mir die Tastenkombinationen meines Browserfensters nen Strich durch die Rechnung gemacht und den fertigen Eintrag durch ein simples, versehentliches "Zurück" gelöscht. Deswegen nun in aller Kürze:

Die beiden Prüfungen letzte Woche sind gut verlaufen, trotz größerem Lernstress. Am Sonntag durfte ich meinen ersten englischen, protestantischen Gottesdienst in Dublin spielen, wobei alle drei Attribute eine Premiere waren. Auch dass ich da mit einem relativ hohen Adrenalinspiegel -dank Dublin Bus- angekommen bin.... und zum Glück noch gerade rechtzeitig werde ich nächste Woche dann genauer erläutern....

Warum ich es so eilig habe?? Nächste Woche ist "Inter-Semester-Break" und damit für die DCU-Stundenten frei. Das werde ich nutzen, um mit vier anderen ERASMUS-Studenten nach Galway an die Westküste zu fahren, um von dort aus Touren in eine der schönsten Regionen Irlands zu veranstalten. Ihr zu Hause gebliebenen könnt euch sicherlich schon mal auf viele schöne Bilder freuen.

Viele Grüße quasi schon auf dem Weg zu Westküste....

31.1.11 02:01


Prüfungszeit - stressige Zeit

Die Hälfte meiner Prüfungen des ersten Semesters (2 von 4) habe ich nun hinter mir. Beide sind akzeptabel gelaufen, was heißt, dass ich auf jeden Fall bestanden habe (das ist wichtig, schließlich will ich ja mein ERASMUS-Stipendium behalten). "Time Series" wird wohl so gut sein, dass es auf jeden Fall für mein deutsches Diplom angerechnet wird (das sollte doch -lt. meinem Gefühl- eine 1.0 werden). Bei PDE sollte zumindest die irische 1,x sicher sein - wie das dann umgerechnet wird, darüber werde ich dann ab Juni mit meinen Professoren diskutieren dürfen. Endgültige Ergebisse gibt es am 17. Februar.

Und hier offenbaren sich mal wieder die irisch-deutschen Uni-Alltags Unterschiede. Während in Deutschland der Ergebnis-Aushang meist eher vage beschrieben wird ("Naja, schauen Sie halt mal irgendwann im Institut vorbei - je nachdem, wie ich Zeit habe, werde ich die Klausur korrigieren." sagt so der gemeine Übungsleiter), ist das in Irland genau reglementiert, was relativ ungewöhnlich für die sonst eher laxe irische Haltung ist. Dafür dauert dann die Klausurkorrektur in Deutschland bei einer Teilnehmerzahl bei meinen Klausuren von (geschätzen) 30-40 Studenten max. zwei Wochen (sofern man am Matheinstitut ist - bei den Wiwis kann das schon mal unbegrenzt nach oben gehen...). In Irland werden dafür 4 Wochen taxiert.

Ein weiterer großer Unterschied zu deutschen Uni-Klausuren ist, dass hier wirklich alles anonym ablaufen muss. So darf man keinensfalls seinen Namen vorne auf das Examenspapier schreiben, sondern muss ihn versiegeln, dass auch ja keine Vorteilsnahme entstehen kann. Ich würde sagen: Armer Korrektor, denn das einzige, das an einer Klausur so richtig amüsant ist, sind ausgefallene Namen der Prüflinge, da der Inhalt meistens sowieso relativ ähnlich ist (oder -besser formuliert- sein sollte) - zumindest ist das meine Erfahrung vom Klausurkorrigieren. Naja, aber das ist ja net mein Problem. Auch die Ansage vor der Prüfung sich bewusst zu machen, wo die Notausgänge sind, würde in Deutschland eher nicht ernst genommen werden - hier blicken sich wirklich noch mal alle um und vergewissern sich, dass sie das auch wissen - als ob man bei einem Examen sonst nichts zu denken hätte. Ein weiterer großer Unterschied zu Deutschland (neben der kurzen Prüfungsphase von zwei Wochen, im Gegensatz zu zwei bis drei Monaten in Deutschland) ist, dass man hier nicht nur in einem Hörsaal seine Prüfungen schreibt, sondern meist in der Sporthalle, dem HELIX (dem Festsaal der Uni) oder auch -und das durfte ich am letzten Donnerstag- im Uni eigenen Pub. Da dadurch viele Klausuren in einem Raum geschrieben werden, bin ich doch etwas erstaunt, wie gut das hier organisiert ist, sonst ist man von den Iren eher weniger Organisationstalent gewohnt... unter dem Motto: "wird schon irgendwie"....

Damit die Studenten möglichst gut abschneiden, gibt es überall Flyer, wie man sich am besten auf ein Examen vorbereitet... Vielleicht war es auch eine nett gemeinte Geste der Hausverwaltung meines Wohnheimes am Samstag Morgen (vor meiner "Time Series"-Prüfung) einfach mal das warme Wasser komplett abzustellen, dass die Prüflinge auch unter der Dusche richtig wach werden. Danke! Allerdings dauerte diese Warm-Wasser-Abstinenz dann (glücklicherweise) nur bis fünf Uhr am Nachmittag... Geschadet hat es mir nicht - immerhin war ich wirklich wach dann.

Aber neben all dem Prüfungszeug gab es ja am Samstag Nachmittag noch das Orgelkonzert, das ich ja schon im letzten Eintrag erwähnt hatte. Ich hatte die Ehre, als letzter mich zu verkünsteln, und damit den hoffentlich krönenden Abschluss zu bilden, was mir dann auch gelungen ist. Aber nicht unbedingt, weil ich das schwerste Stück gespielt hatte (da gab es zumindest einen, der vom Können her deutlich besser war - schließlich hat der auch Musik studiert), sondern weil ich mich von den anderen absolut abheben konnte, da ich zum einen mich nicht wie alle anderen mit barocken Werken auseinandergesetzt hatte (Bach und Händel gab es rauf und runter), sondern meinen Lieblingskomponisten der Romatik Dubois ausgewählt hatte, und zum anderen konnte ich mit der spektakulären Dubois-Toccata überzeugen, während die anderen sich mehr oder minder erfolgreich durch irgendwelche Praeludien und Fugen hangelten. Sofern erfolgreich war das auch schön anzuhören, aber für die breite Masse dann doch eher zu anstrengend. Da hatte ich es natürlich mit meinem frischen und spritzigen Stück einfacher Punkte beim Publikum sammeln, das meinen Auftritt dann auch dementsprechend quittierte.

Nun geht es wieder ans Lernen, schließlich gibt es diese Woche noch zwei Prüfungen - "Life Contingencies" und "Risk Theory".

Viele Grüße von der -im Vergleich zu Deutschland- warmen Insel

24.1.11 13:19


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